Kornhausforum

Das Kornhausforum, zentral in der Berner Innenstadt gelegen, ist der Ausstellungs- und Diskursort für gesellschaftlich relevante Themen, die ausgehend von den Bereichen der Architektur, des Designs und der Fotografie überdisziplinär gedacht und behandelt werden. Das Kornhausforum ist ein Ort der öffentlichen Teilhabe und kulturellen Begegnung, die Ausstellungen und Foren sind einem breiten Publikum physisch und digital zugänglich. Das Kornhausforum ist bei seiner Themenwahl regional relevant und verankert sowie national und international vernetzt. Zur Bearbeitung dieser komplexen Themen setzen wir auf Co-Creation mit unseren Partnern und externen Expert:innen. Die gesellschaftliche Relevanz und Dringlichkeit der Ausstellungsthemen und Foren sowie deren qualitative Erarbeitung und Umsetzung ist der Mittelpunkt unserer Tätigkeiten und bildet damit einen Teil des öffentlichen Erkenntnisdiskurses: Wir wollen zum Neudenken und Staunen anregen.

Kornhausforum
Poetics Of Deconstruction
bis Sa, 15.08.2026

Das Ausstellungsformat «New Perspectives – Camera Arts goes Kornhausforum» ist eine Kooperation zwischen dem Kornhausforum Bern und dem Bachelor-Studiengang «Camera Arts» der Hochschule Luzern – Design Film Kunst. Ausgewählte Absolvent:innen des Vorjahres können in Bern ihr fotografisches Schaffen zum ersten Mal einem grösseren Publikum in einem institutionellen Rahmen zeigen. Damit möchte das Kornhausforum Bern auch aufstrebenden Fotograf:innen eine professionelle, öffentliche Plattform geben und gleichzeitig spannende, junge Positionen am Puls der Zeit in sein Programm aufnehmen.

 

Die diesjährigen Künstler:innen Jiyan Céline Schmidiger und nedia boutouchent möchten in der Ausstellung «Poetics Of Deconstruction: I Kiss You Today For Tomorrow and Our Gaze Is Not Yours To Claim» mit ihren Arbeiten die Besuchenden auffordern, westliche Sichtweisen zu reflektieren. Damit stellen sie dominante imperiale Darstellungen in Frage und entgegnen eine pluralistischere Betrachtung.

 

Geschichten von marginalisierten und unterdrückten Menschen bleiben oft vor der allgemeinen Wahrnehmung – damit ist die zentraleuropäische, westliche Sicht gemeint – verborgen. nedia boutouchent und Jiyan Céline Schmidiger setzen sich künstlerisch mit je eigenen Aspekten gelebter Erfahrungen von Marginalisierung, Stigmatisierung und systemischer Unterdrückung auseinander.

 

Aus dem Schaffen der beiden Künstler:innen geht eine dichte, mystische und poetische Bildwelt hervor. Besuchende können in der Ausstellung in innere Reflexionsräume eintauchen und ihre Perspektiven mit jenen von Jiyan Céline Schmidiger und nedia boutouchent in Beziehung bringen.

 

Kornhausforum
Beat Jost – Schöne neue Welt
Fr, 04.09.2026 – So, 07.02.2027

Der Berner Fotograf Beat Jost (1936-2026) zählte zu den bedeutendsten Werbe- und Sachfotografen und war für viele wichtige Berner Firmen (Warenhaus Loeb, Wander-Ovomaltine, Vidmar, IBA, Pierrot-Friola etc.) tätig. Seine Fotografien erfassen exemplarisch die Objektwelt und Werbeästhetik der 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahre. Entstanden für Prospekte, Kataloge, Zeitungsinserate und unterschiedlichste Druckerzeugnisse, waren sie in der Konsum- und Warenwelt jener Zeit omnipräsent. Zugleich spiegeln sie eine Phase bislang ungekannten Wohlstands in der Schweiz wider. Durch die sorgfältige Inszenierung der Produkte im gesellschaftlichen Kontext werden sie heute zu aufschlussreichen visuellen Zeitzeugnissen.

 

In der gegenwärtigen Betrachtung erfahren diese Bilder eine Verschiebung der Rezeption: Sie werden nicht länger primär als Werbeträger wahrgenommen – zumal viele der dargestellten Produkte vom Markt verschwunden sind –, sondern als Erinnerungsbilder und Zeitkapseln, die individuelle wie kollektive Erinnerung evozieren.

 

Die Ausstellung würdigt Beat Josts Werk, das in Bern bislang nicht umfassend in einer Einzelausstellung präsentiert wurde. Sie macht diese fotografischen Zeitdokumente einem breiten Publikum zugänglich und lädt zu einer Reise in die Konsum- und Wohlstandsjahre der Nachkriegszeit ein.

 

Kornhausforum
Future Fashion
Fr, 27.11.2026 – So, 07.02.2027

«Future Fashion» ist eine Ausstellung über Gegenwart und Zukunft der Mode und befasst sich mit der Frage, wie Kleidung in einer Zeit von Überproduktion, digitaler Beschleunigung und ökologischer Belastung neu gedacht werden kann. Die Schweizer Bevölkerung gehört weltweit zu den Spitzenreiterinnen beim Konsum von Kleidung und Textilien. 15kg Kleidungsstücke kauft jede Person jährlich in der Schweiz, wobei davon ca. 25% nie getragen werden. Ausgangspunkt ist eine doppelte Realität: Ultra Fast Fashion treibt Trend- und Produktionszyklen weiter an, während gleichzeitig Initiativen, Labels, Communities und künstlerisch-gestalterische Praktiken Alternativen entwickeln. Upcycling-Ateliers, Leihmodelle, phygitale Anwendungen und digitale Experimente verändern die Produktion, Nutzung und Gestaltung in der Mode und erweitern sie um neue, spannende Ideen.

 

Die Ausstellung ist in drei Kapitel eingeteilt: Ein Kapitel befasst sich mit praktischen, gemeinschaftsbasierten Kreislaufmodellen (Up- und Recycling), das zweite Kapitel mit digitalen Infrastrukturen und neuen Besitzlogiken und führt abschliessend zu spekulativen Körper- und Materialentwürfen, in denen sich Mode als Bild, Interface und Imagination zuspitzt. Der Hauptsaal zeigt grossformatige, multimediale Installationen, die sich weiträumig mit aktuellen Praktiken und möglichen Zukünften der Modewelt befassen. Der Seitensaal wird in Form eines Laboratoriums eingerichtet, wo experimentelle Studien, Projekte und Formate sowie neue Ansätze aus der Schweizerischen Textilforschung präsentiert werden.

 

Damit zeigt «Future Fashion», wie Mode zugleich Material, Datensatz und Bild ist und wie sich dadurch die Beziehungen zwischen Körper, Kleidung, Plattform und Wert verschieben. Ziel ist es, konkrete Versuche sichtbar zu machen: etablierte Ansätze, experimentelle Prototypen und auch Beispiele, die bereits wieder verschwunden sind. Die Ausstellung lädt ein, Widersprüche, Versprechen und offene Fragen gemeinsam zu diskutieren und darüber nachzudenken, wie die Zukunft der Mode aussehen könnte.