Psychiatrie-Museum Bern

1914 installierte der Psychiater Walter Morgenthaler in der Berner Universitätsklinik Waldau ein kleines Museum mit Werken von Adolf Wölfli und anderen PatientInnen sowie Objekten aus der Geschichte der Klinik. Kanton und Klinik vermachten diese bedeutende «Sammlung Morgenthaler» 1990 einer neu gegründeten Stiftung, unter deren Leitung das langsam in Vergessenheit geratene Museum 1993 in neuer Form eröffnet wurde. Dieses Museums wurde bisher vorwiegend mit Freiwilligenarbeit geführt und hat die Geschichte der Psychiatrie dargestellt.

In einem partizipativen Prozess hat das Museum 2025 seine Neuausrichtung in den Grundzügen festgelegt. Es will sein Angebot ausweiten und zu einem zentralen Forum in der öffentlichen Diskussion um psychische Gesundheit werden. Dieses «Haus der Psyche» – so der provisorische Name – ist offen, inklusiv und partizipativ, reflektiert über Geschichte, Gegenwart und Zukunft, regt Diskussionen an, schafft Begegnungen und fördert den gesellschaftlichen Austausch. Dabei arbeitet es eng zusammen mit Personen und Organisationen aus den Bereichen Gesundheit, Psychiatrie, Kunst und Kultur.

Plakatausschnitt PERSPEKTIVE 1
Psychiatrie-Museum Bern
PERSPEKTIVE 1: Lehre und Forschung der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) und der Universität Bern
Ausstellung im Rahmen der Reihe PERSPEKTIVEN 2026-2028
bis So, 07.06.2026

Mit der Ausstellung PERSPEKTIVE 1 eröffnet das Psychiatrie-Museum Bern am 16. April 2026 eine neue Ausstellungsreihe unter dem Titel PERSPEKTIVEN. Die erste Ausgabe widmet sich der Lehre und Forschung der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) und der Universität Bern und lädt dazu ein, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse im Spannungsfeld von Geschichte, Gegenwart und Zukunft zu entdecken.

 

Die Ausstellungsreihe PERSPEKTIVEN ist aus einem partizipativen Prozess zur Neuausrichtung des Museums hervorgegangen. Sie versteht das Museum als offenen Dialograum, in dem unterschiedliche Perspektiven auf psychische Gesundheit sichtbar und diskutierbar werden. Ziel ist es, zur Entstigmatisierung beizutragen.

 


Forschung im Dialog mit Geschichte und Erfahrung

 

Die Ausstellung bietet Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte der UPD und der Universität Bern. Diese reichen von Studien zu Ess- und Zwangsstörungen über Suchterkrankungen bis hin zu Psychosen. Ziel der Forschung ist es, psychische Erkrankungen besser zu verstehen, neue Therapieansätze zu entwickeln und die Versorgung von Patient*innen zu verbessern.

 

Die Forschungsinhalte wurden von Sandra Winiger und Sara Stocker, CoLaborArts, im Austausch mit den Forschenden für ein breites Publikum aufbereitet und mit interaktiven Elementen belebt. Unter anderem treten die Forschenden mit Audiobeiträgen in einen Dialog mit ausgewählten Objekten aus der historischen Sammlung des Museums. Die Audio-Kommentare werden langfristig in die Dauerausstellung integriert und erweitern diese um aktuelle Stimmen und Perspektiven. So entstehen neue Zugänge zur Geschichte der Psychiatrie ebenso wie zur Gegenwart psychischer Gesundheit.

 


Vielstimmiger Austausch

 

Ein zentrales Element der Ausstellung ist der Austausch zwischen verschiedenen Perspektiven: Forschende, Fachpersonen, Menschen mit eigener Psychiatrie-Erfahrung sowie Angehörige bringen ihre Sichtweisen ein. Ergänzend zur Ausstellung finden mehrere öffentliche Gesprächsveranstaltungen statt, die Themen wie Zwangsstörungen, Alkoholsucht oder neurochirurgische Eingriffe damals und heute vertiefen.

 


Auftakt einer mehrjährigen Reihe

 

PERSPEKTIVE 1 bildet den Auftakt einer mehrjährigen Ausstellungsreihe (2026–2028), in der Organisationen aus Forschung, Kunst, Recovery und Rehabilitation sich selbst vorstellen und ihre eigenen thematischen Schwerpunkte setzen. Aus diversen Perspektiven befragen sie die Sammlung des Psychiatrie-Museums immer wieder neu und bringen unterschiedliche Ansichten miteinander ins Gespräch. Ziel ist es, das Psychiatrie-Museum als Ort zu etablieren, in dem psychische Gesundheit im Zentrum steht und Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Psychiatrie-Erfahrungen ermöglicht.

 


Schrittweise Aktualisierung der Dauerausstellung

 

Die bestehende Dauerausstellung des Psychiatrie-Museums Bern stammt aus dem Jahr 1993 und kann aus Ressourcengründen derzeit nur punktuell erneuert werden. Im Zuge der Lancierung der Ausstellungsreihe PERSPEKTIVEN werden jedoch zentrale Inhalte überarbeitet: Ausstellungstexte werden auf einen aktuellen historischen Stand gebracht, ausgewählte Objektgruppen neu zusammengestellt und die Themen gezielt bis in die Gegenwart erweitert. Auf diese Weise entsteht schrittweise eine aktualisierte Dauerausstellung, die historische Perspektiven mit heutigen Fragestellungen verbindet. Ein Besuch lohnt sich also doppelt.

 


Ausstellungsinformationen

 

Ausstellung: PERSPEKTIVE 1 – Lehre und Forschung der UPD und der Universität Bern

Ort: Psychiatrie-Museum Bern, Pfrundhaus, 3000 Bern 60

Dauer: 16. April – 7. Juni 2026

Eröffnung: Donnerstag, 16. April 2026, 18:00 Uhr (mit Einführung von Kristina Adorjan, Klinikdirektorin UPD und Apéro)

 

Öffnungszeiten: Mi, Sa, So jeweils 14.00 – 17.00 Uhr

oder auf Anfrage unter info(at)psychiatrie-museum.ch

 


Rahmenprogramm

 

GESPRÄCHE MIT PERSPEKTIVEN AUS FORSCHUNG, BERATUNG UND EIGENER BETROFFENHEIT

 

MI, 29. APRIL, 18.00 – 19.00 UHR

Zwangsstörungen

Dr. phil. Andrej Skoko, Wissenschaftlicher, Mitarbeiter, Universität Bern

Dr. med. Christine Poppe, Chefärztin, Clienia Schlössli AG, Oetwil am See

Moderation: Dr. med. Christine Meyer, Fachärztin für Psychiatrie & Psychotherapie, Bern

 

DO, 7. MAI, 18.00 – 19.00 UHR

Alkoholsucht

PD Dr. phil. Maria Stein, Forschungsgruppenleiterin und Fachpsychologin, UPD Bern

Jürg von Allmen, Fachstelle für Alkohol- und Suchtprobleme, Blaues Kreuz, Biel

Mitglied AA (Anonyme Alkoholiker), Bern

Moderation: Dr. med. Christine Meyer, Fachärztin für Psychiatrie & Psychotherapie, Bern

 

DO, 4. JUNI, 18.00 – 19.00 UHR

Eingriffe am Hirn damals und heute

mit Lesung von Dr. phil. Ina Boesch, Autorin von «Marleen – Von der Chirurgie des Wahns»

PD Dr. med. Niklaus Denier, Oberarzt, UPD Bern

Moderation: Dr. phil. Magaly Tornay, Psychiatrie-Historikerin, Universität Bern